Klage gegen ULD wegen Facebook

Sehr schön: Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein sowie ein Unternehmen klagen gegen die unsinnige Facebook-Aktion von Thilo Weichert. Die IHK hatte sich ja auch schon dagegen gestellt. Unabhängig davon hat die Aktion bis auf einen großen Fail nichts wirklich gebracht, deswegen ist Thilo Weichert sogar froh, dass sich mit der Klage endlich mal was tut, nachdem die Politik ihn hat abblitzen lassen. m)

Piratenpartei Schleswig-Holstein stellt Facebook-Seite ein

Die Piratenpartei Schleswig-Holstein streicht dann mal das mit der Internet-Partei aus ihrem Programm und löscht ihre Facebook-Seite wegen Thilo Weichert.

Money-Quote:

„Facebooks Datensammelwut ist mit deutschem Datenschutzrecht nicht in Einklang zu bringen. Gerade die politische Einstellung ist eine besonders schützenswerte Information, und wir wollen nicht der Käse in Facebooks Datenfalle sein“, so Torsten Krahn, Pressesprecher des Landesverbands.

Ob jetzt auch die Website gelöscht wird, schließlich ist die ja der Käse in der Google Datenfalle (Google+, angemeldete Google-Suche etc.)? Das wäre einfach nur konsequent.

So liebe Piraten und jetzt guckt mal: Die IHK Schleswig-Holstein stellt sich dagegen. Wie geil wäre das wohl gewesen, wenn ihr euch dazugestellt hättet? Ich vermute, ihr hättet viele kleine und mittelständische Unternehmen als Wähler gewinnen können. Aber nein, stattdessen wird sich hinter dem (in diesem Falle vollkommen irrsinnigen) Datenschutz versteckt.

Die Piraten schaffen es wie keine andere Partei selbst auf dem Zenit ihres Höhepunktes einen großen Epic-Fail hinzulegen.

(Und nein, ich bin weder von der Spackeria noch finde ich die Spackeria gut. Aber dass die Piraten diese Inkompetenz von Weichert unterstützen ist einfach unglaublich.)

Was der Facebook-Like-Button speichert [UPDATE]

Es geht weiter: Zuletzt hatte Facebook ja gesagt, dass das ULD in ihrer Facebook-Analyse Annahmen gemacht haben, die falsch sind. Jetzt hat sich Facebook genauer zu der Speicherpraxis geäußert:

* Bei Nicht-Mitgliedern, die noch nie facebook.com aufgerufen haben, erhält Facebook lediglich die IP-Adresse. Nach eigenen Angaben folgt eine Prüfung, ob diese IP-Adresse aus Deutschland kommt. Sollte das der Fall sein, wird sie anonymisiert und dann erst geloggt, Adressen aus allen anderen Ländern landen unanonymisiert in den Log-Dateien.

* Hat ein Nicht-Mitglied bereits facebook.com besucht, dann hat es dabei ein „Data-Cookie“ platziert bekommen, dessen Inhalt beim Laden von Like-Buttons ebenfalls übertragen wird. Facebook versichert, dieses Cookie habe keine Tracking-Funktion, sondern beuge „schadhaftem Verhalten“ von Nicht-Mitgliedern vor. „Vor allem hilft uns das Cookie dabei, verdächtige Aktivitäten wie fehlgeschlagene Login-Versuche und die mehrfache Erstellung von Spam-Accounts zu erkennen“, heißt es in der Stellungnahme.

* Wenn ein Mitglied, ob angemeldet oder nicht, den Like-Button lädt, erhält Facebook ungleich mehr Informationen: „Wenn solch ein Seitenbesuch stattfindet, zeichnen wir einige der Informationen für eine begrenzte Zeit auf, um damit unseren Service zu verbessern. Dazu zählen: Datum, Zeit, URL und Browsertyp.“ Den Angaben von Facebook zufolge werden gemäß der Richtlinien alle diese Informationen innherhalb von 90 Tagen wieder gelöscht.

Also revidiert Facebook damit die Aussage zum Teil. Sicherlich werden sie über die anonymen IP-Adressen keine Profile bilden können, aber der Like-Button trackt halt eben doch auch Nicht-Mitglieder. Wofür dieser Datenschrott dann ist, das ist ungewiss.

Immerhin scheint sich bei Facebook doch was zu bewegen. Es bleibt also weiterhin spannend, wie es weitergeht.

UPDATE: Oh und Facebook hat heute die Datenschutzerklärung überarbeitet, eine Übersicht hat Social Media Recht.

ULD: 2-Klick-Button reicht nicht aus

Wo wir gerade beim ULD und Thilo Weichert sind: Die wurden auch auf den 2-Klick-Button von Heise angesprochen. Und der reicht den Herrschaften natürlich auch nicht aus, wie sie in ihrer Pressemitteilung schreiben:

Bevor Plugins und Fanpages von Facebook datenschutzkonform genutzt werden können, muss sich das Unternehmen noch gewaltig bewegen. Die teilweise vorgeschlagene ´Lösung` über einen Doppelclick, bei dem zunächst eine Informationsseite geöffnet und eine Einwilligung eingeholt wird, geht zweifellos in die richtige Richtung, aber nur den halben Weg: Die Profilbildung bei Facebook lässt sich derart nicht verhindern, wenn man den Plugin nutzen möchte. Zudem setzt eine wirksame Einwilligung voraus, dass Nutzende wissen, worin sie einwilligen. Da Facebook aber bisher nicht offenlegt, was es mit den Nutzerdaten macht, fehlt es weiterhin an der nötigen Information.

Ja ne, ist klar. Ich frage mich ja langsam ernsthaft, ob die überhaupt wissen, wovon sie da reden. Wenn sich ein Facebook-Nutzer die AGB nicht durchliest, in der steht was mit den Daten gemacht wird und die er beim Anmelden bestätigen muss, dann ist das doch wohl nicht das Problem der Website-Betreiber. Wenn Facebook diese AGB zu ungenau schreibt, dann sollte das ULD eben weiter mit Facebook darüber reden aber mal die Website-Betreiber rauslassen.

Wo ist eigentlich mein Opt-In bei der öffentlichen Videoüberwachung? Da weiß ich ja auch nicht, welche Behörden/Unternehmen die Aufnahmen kriegen und was damit gemacht wird. Herr Weichert, übernehmen Sie!

ULD mit falscher Facebook-Analyse

Na also DAMIT hätte ja wohl NIEMAND rechnen können: Bei einem Treffen von Thilo Weichert und Facebook hat Richard Allen (bei Facebook u.a. für den Datenschutz in Europa zuständig) gesagt, dass die Analyse des ULDs Lücken aufweist und diese falsch befüllt wurden:

Diese Lücken in der Analyse seien, so Allan weiter, mit Annahmen aufgefüllt worden. Diese Annahmen seien vor Allem eins: falsch. So sei zum Beispiel die Annahme, dass facebook über die Like-Buttons auf Webseiten Profile nicht angemeldeter Nutzer erstelle genau so grundlegend für die Analyse Weicherts, wie sie falsch ist.

Das ist natürlich ganz schön peinlich für Thilo Weichert und das ULD. Da hilft nur die Merkel-Taktik:

Zahlreiche Fragen blieben dennoch offen. So nahm zum Beispiel Weichert die Kritik Allans an seiner Analyse zur Kenntnis, werde aber weiter von der Richtigkeit eben jener Analyse ausgehen, bis facebook das Gegenteil belegen würde.

Nur die BESTEN der BESTEN der BESTEN, Sir! m(

Und ja, ich glaube Facebook in dem Fall. Allen sagt vorher nämlich auch, dass das ULD die technische Funktion richtig beschrieben habe. Das haben ja einige nach Veröffentlichung der Analyse auch schon gesagt, dass das ULD sich da die Funktion der Facebook-Sachen aufgeschrieben hat und mit Vermutungen gewürzt zu einer Analyse zusammengebraut hat, die wegen der Intransparenz von Facebook niemand wirklich auf Richtigkeit überprüfen kann.

Ich bin gespannt, wie das weitergeht.