SPIEGEL: Für dumm abgespeichert

Ich finde den Humor vom SPIEGEL ja wirklich großartig: „Lassen Sie sich nicht für dumm abspeichern!“ heißt es da in Bezug auf die Vorratsdatenspeicherung, während aktuell zehn Tracking-Codes auf der Seite vom SPIEGEL die Leser … ja, genau: abspeichern. m)

spiegel-vds-tracking (Screenshot: spiegel.de)

Immerhin: Zwei (!) Tracking-Codes weniger als vor zwei Jahren.

Besucherdaten der SPD Sachsen offen im Netz

Bei der SPD in Sachsen (spd-sachsen.de, spdsachsen.de und spd-fraktion-sachsen.de sowie alle Subdomains dort, die Drupal ebenfalls nutzen) sind die Besucherstatistiken offen im Internet erreichbar. Browsertyp, IP-Adresse und mehr. Die Daten reichen bis in Mitte 2009(!) zurück.

Deren IT war sogar zu doof, die Indexierung auszuschalten (auf allen Seiten). m(

Und die SPD fordert eine Vorrats… äh Mindestdatenspeicherung. 2009, das sind 3(!!!) Jahre. Unfassbar. Der arme Datenschutzbeauftragte in Sachsen, nach der Polizei-Sammelwut muss der sich jetzt auch noch um die SPD kümmern. Vielleicht sollte man da mal direkt noch einen zweiten Datenschutzbeauftragten ernennen. Ich will gar nicht wissen, wer da noch in Sachsen unrechtmäßig auf riesigen Datenbergen sitzt.

Ilse Aigner vs. Apple

Ja, Apple trackt in iPhones und iPads die Aufenthaltsorte. Das ist natürlich ein unglaublicher SKANDAL, dass ein Handy-Hersteller Positionsangaben speichert. Sowas würde es in Deutschland NIE geben, nichtmal per Gesetz! Ups, leider doch.

Aber egal, die Bühne ist aufgestellt und „the Show must go on“: Es ist DER Zeitpunkt für unsere geballte-Internetkompetenz-Ministerin, sich mal wieder ins Rampenlicht zu stellen (schließlich ist die letzte Aktion schon drei Monate her). Wenn nicht jetzt, wann dann?

Und so gibt es laut dpa eine Erklärung des Bundesverbraucherministeriums, welches Klarheit von Apple fordert:

„Es gibt eine Reihe offener Fragen, die von Apple in Zusammenarbeit mit den zuständigen Datenschutzbeauftragten geklärt werden müssen. Das Unternehmen muss zu den Vorwürfen Stellung nehmen“, hieß es in einer Erklärung des Ministeriums am Donnerstag.

[…]

„Das heimliche Erfassen und Speichern der Standort-Daten eines Smartphones wäre ein grober Eingriff in die Privatsphäre des Nutzers.“

Ach nee, wirklich? Aber bei der Vorratsdatenspeicherung ist das natürlich kein „grober Eingriff in die Privatsphäre“ sondern einfach nur Gefahrenabwehr?

Ich will hier nicht Apple verteidigen, dass die dort einfach tracken (auch wenn mich das wenig überrascht – was speichert Google mit Android eigentlich alles so…?). Aber mit der Vorratsdatenspeicherung werden die Anbieter genau dazu gezwungen – was dabei rauskommt, haben wir bei Malte Spitz gesehen. Eine solche Doppelmoral kann natürlich nur von unserer Ministerin mit der geballten Internetkompetenz kommen.