360 Grad Prypjat

Vor 30 Jahren, am 26. April 1986, flog das Kernkraftwerk in Tschernobyl hoch. Aus diesem Anlass hat der WDR ein 360 Grad Video von der nun verlassenen Stadt Prypjat gedreht. Neben ein paar Drohnen-Aufnahmen werden auch ehemalige Bewohner in den verlassenen Gebäuden gezeigt, die aus dem Off von den Tagen damals berichten.

Mittels der Maus kann man in dem Video das Bild in verschiedene Blickwinkel drehen, einfach auf eine Stelle klicken und in die Richtung drehen, die man sehen möchte.

(Direktlink)

Das ganze ist nichts weltbewegendes, aber durchaus interessant, falls man nicht schon zig Tschernobyl-Bilder gesehen hat. Spannender wäre es natürlich, wenn sie noch mehr solcher Videos zum Beispiel auch in dem Reaktorgebäude gemacht hätten, um dort selbst auf Entdeckungstour zu gehen. Das dürfte aufgrund der heute noch hohen Strahlung aber nicht so einfach sein.

Beim WDR gibt es noch ein Making-of, wo sie erklären, wie sie das gedreht haben – mit GoPros und Halterungen aus einem 3D-Drucker. Die Sondersendung von Quarks & Co. zu Tschernobyl kommt am Dienstag im WDR und ist auch schon online.

Lufthansa, Nazis und Tschernobyl

Im Deutschlandfunk gab es Anfang letzte Woche zwei interessante Radio-Features, die es auch als Podcast gibt. Beide sind knapp eine Stunde lang:

Kranichflug unterm Hakenkreuz – Die vergessene NS-Geschichte der Lufthansa
In diesem Feature wird über Zwangsarbeiter während der NS-Zeit bei der Lufthansa berichtet und wie die Lufthansa die Aufklärung ihrer Vergangenheit in der Öffentlichkeit totschweigt. Es wird auch auf eine im letzten Jahr gezeigte ARTE-Dokumentation bezug genommen, siehe hier auf YouTube und Text bei SPON.

Ankündigungstext | MP3-Download (25 MB) | Manuskript (PDF)

Der Tanz um das „Goldene Grab“ – Wem nützt der Sarkophag von Tschernobyl?
Hier wird beleuchtet, welche wirtschaftlichen Interessen hinter dem neuen Sarkophag von Tschernobyl nach der Atomkatastrophe stecken. Hinsichtlich auf Fukushima könnte das auch in Zukunft nochmal sehr interessant werden. Unter den Interviews ist auch eines mit dem Physiker Dr. Sebastian Pflugbeil, der sich bei den Elementarfragen ausführlich zu Tschernobyl und im März zu Fukushima geäußert hat.

Ankündigungstext | MP3-Download (20 MB) | Manuskript (PDF)

Wie immer bei Materialien der öffentlich-rechtlichen Sender gilt: Downloaded solange es geht, die Podcasts dürften bald verschwinden, die Manuskripte sind meistens länger online.

"Restrisiko": Kernschmelze alle 23 Jahre wahrscheinlich?

Oh das ist ja mal interessant: Eine Grünen-Politikerin aus Österreich hat 1999 eine Dissertation über Atomkraftwerke gemacht und dabei errechnet, dass es etwa alle 23 Jahre eine Kernschmelze auf der Welt geben wird.

Die Zahl trifft zwischen Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) mit knapp 25 Jahren glatt zu. Zwischen Tschernobyl und Sellafield (1957) waren es immerhin 29 Jahren. Und wenn wir noch Three Miles Island (1979) dazuzählen, dann passt das schon nicht mehr, dann wären es zwischen Sellafield und Three Miles Island zwar 22 Jahre, aber zwischen Three Miles Island und Tschernobyl nur 7 Jahre.

Also so ganz unrecht hat die nicht, aber als Gleichung passt das auch nicht. Ansonsten müssen wir damit rechnen, dass in den nächsten 5-10 Jahren schon die nächste Kernschmelze bevorsteht. Ich hoffe nicht, dass diese Rechnung aufgeht.

Immerhin sind diese Zahlenspiele schonmal ehrlicher als die der Atommafia, die popangiert dass innerhalb von 100.000 Jahren nur ein Atomkraftwerk hochgeht. Wahrscheinlich machen wir alle eine Zeitreise, weshalb die Abstände so klein sind.

Japan: Fukushima nun doch Super-GAU

Die japanische Regierung hat die Atom-Katastrophe in Fukushima nun doch als Super-GAU eingestuft:

Die Katastrophe werde auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (Ines) auf die höchste Stufe 7 statt bislang 5 eingeordnet, teilte die japanische Atomaufsicht in Tokio mit.

Pünktlich zum 25jährigen Jubiläum von Tschernobyl gibt es also ein gleichschweres Ereignis. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass die Politik aus der Tschernobyl-Katastrophe nichts gelernt hat. Fraglich, ob unsere blinden Politiker den diesmal sehen.

Immer die gleichen Floskeln

Im japanischen Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi spitzt sich die Lage gerade zu, es steht kurz vor der Kernschmelze. Laut Greenpeace (23:45 Uhr) deutet die 1000fach erhöhte Strahlung darauf hin, dass es schon eine partielle Kernschmelze gibt. Hoffen wir das Beste. (Für Updates empfehle ich die AntiAtomPiraten und RP-Online.)

Derweil hat unser Bundesumweltminister Norbert Röttgen verkündet, dass das alles nur halb so schlimm sei. Hier hat mal jemand einen Vergleich mit Friedrich Zimmermann zusammengeschnitten:

Es sind immer die gleichen Floskeln, damals wie heute. Und damals war es für Deutschland nicht folgenlos. Das wird es diesmal auch nicht sein, wenn es soweit kommen sollte.