Diskussion über Wikipedia als Weltkulturerbe

Ich habe ja schon geschrieben, was ich von der Aktion halte, dass Wikipedia zum Weltkulturerbe werden will. In Berlin gab es eine Diskussion darüber, Philip Banse hat diese moderiert und einen Mitschnitt dazu online gestellt (Danke!).

Auch die „Digitalen Gesellschaft“ (DigiGes) war anwesend, vertreten durch Linus Neumann. Die DigiGes positioniert sich dahin, dass sie die Aktion unterstützt. Kritik am Löschwahn? Nö. Kritik an Relevanzhürden? Nö. Das ist mir vollkommen unverständlich, denn eigentlich gab es im Netz auch eine große Diskussion darüber und wenn die DigiGes wirklich alle Internetnutzer vertreten will, dann sollte sie eben auch diese Kritiker vertreten. Macht sie aber nicht, zumindest nicht bei dieser Diskussion. Von den anderen Diskussionsteilnehmern kommt dahingehend auch keine Kritik.

Insgesamt ist die Diskussion leider recht nonsens. Der DRadio-Wissen-Chef findet, dass die Wikipedia erst in 100 oder 200 Jahren Weltkulturerbe werden sollte, preist gleichzeitig aber, wie toll die Wikipedia für den Journalismus genutzt werden kann (da wundert es dann auch nicht, dass es in den Medien auch öfters Falschinformationen gibt). Die Forscherin der BTU Cottbus findet, dass die Wikipedia in dem Dokumentenerbe weitaus besser aufgehoben wäre. Alle finden, dass es schwer wird die Wikipedia zum Weltkulturerbe werden zu lassen und alle sind aber der Ansicht, dass die Diskussion darüber das digitale Werke zum Weltkulturerbe werden weitaus wichtiger ist.

Man hat also nichts verpasst, wenn man sich den Mitschnitt nicht anhört. Schade eigentlich, man hätte wirklich mal darüber diskutieren können, denn schließlich gibt es bei der Wikipedia nicht nur Sonnenseiten.

Warum Wikipedia kein Weltkulturerbe werden sollte

Wikipedia will Weltkulturerbe werden. Das ging in den letzten Monaten schon mehrmals durch die Medien, doch nun hat der Wikimedia-Verein eine Petition gestartet. Ich werde diese aber aus gutem Grund nicht unterzeichnen.

In der Petition steht:

Angefangen hat alles mit einer einfachen Idee: „Was wäre, wenn das gesamte Wissen der Menschheit jedem frei zugänglich wäre?“ Aus dieser zunächst utopisch klingenden Idee hat sich in den vergangenen 10 Jahren nicht weniger als die größte Wissenssammlung der Menschheitsgeschichte entwickelt. Unabhängig, frei zugänglich und nicht kommerziell.

Wikipedia ist mit dieser Leistung Vorreiter eines Kulturwandels, denn Wikipedia hat die uralte Tradition des Austauschs von Wissen in das neue, digitale Zeitalter überführt. So ist ein in der Kulturgeschichte bisher einzigartiger Ort des Wissensaustauschs entstanden.

Achja, wenn dem doch wirklich so wäre. Wie viele gute Wikipedia-Artikel wurden alleine in den vergangenen Monaten schon gelöscht? Ich rede nicht von Unsinns-Artikeln sondern von wirklich guten Artikeln, die lediglich an der Relevanz-Hürde gescheitert sind.

Wenn die Wikipedia als Weltkulturerbe gelten will, dann sollte sie verdammt nochmal auch endlich die Relevanz-Hürden niedriger hängen und wirklich das „gesamte Wissen der Menschheit“ (sic!) zulassen – und zum gesamten Wissen der Menschheit gehören eben auch Sachen, die den Wikipedia-Admins irrelevant vorkommen mögen. Dennoch zählt auch dieses Wissen.

Solange die Relevanz-Hürden weiterhin gute Artikel in der Wikipedia verhindern und die Lösch-Admins wie aufgescheuchte Hühner rumrennen und Artikel für Artikel löschen, kann ich unmöglich dafür sein, dass Wikipedia zum Weltkulturerbe wird.

Und deshalb sollte die Wikipedia auch kein Weltkulturerbe werden: Das gesammte Wissen der Menschheit ist dort gar nicht sondern nur das Wissen, welches mal als relevant genug festgelegt wurde.

Ob die Petition wirklich erreichen kann, dass die Wikipedia zum Weltkulturerbe ernannt wird, steht natürlich auch nochmal auf einem ganz anderen Blatt. Ich habe da so meine Zweifel. Es wäre natürlich schon lustig, wenn ausgerechnet die Wikipedia an der Relevanz-Hürde der UNESCO scheitern würde. :-)