Lena ist älter geworden

Lena Meyer-Landrut war am letzten Donnerstag, dem 27. September, im ARD Morgenmagazin und hat dort ihren aktuellen Song „Stardust“ gesungen und ihr gleichnamiges neues Album beworben. Das ist kein großes Ding, aber das kurze vorige Interview dazu ist bemerkenswert. Wirklich:
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Jan Delay über Abmahnungen – Teil 2

Kaum wurde das Statement von Jan Delay über Abmahnungen im Netz rumgereicht, kommt Delay mit einem zweiten Statement daher. Dabei relativiert wer seine Meinung und gibt zu, dass er selbst auch Abmahngebühren bekommen hat:

ich rufe nicht dazu auf grundsätzlich musik zu klauen! ich rufe dazu auf, sich nicht beim saugen von schlechter – oder ohne herzblut gemachter musik erwischen zu lassen! und ich rufe dazu auf, künstler die man für gut befindet zu supporten indem man ihre musik kauft!
des weiteren hat universal mich darauf hingewiesen, daß bei meiner letzten abrechnung auch ein nicht gerad geringer betrag aus solcherlei erlösen stammte.. peinlich ;-).. das habe ich nicht gewusst! ein sorry dann auch an universal! dieses ekelige kriegsgewinnler geld will ich aber gar nicht haben! ich werde das komplett spenden, auch in zukunft! und es ändert nichts daran, daß ich diese art von geschäftemacherei um die einbrechenden umsätze zu kompensieren ein unding finde!

Das ist in der Tat peinlich. Vorallem, weil somit schonmal das Argument wegfällt, dass die Künstler von dem durch Abmahnungen eingenommenen Geld „nix“ sehen. Das er seinen Anteil des Abmahngeldes spenden will, finde ich eine gute Sache. (Ich erwarte dann aber auch, dass er das bald mal irgendwie beweist.)
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Big Three statt Big Four

EMI geht es seit einigen Jahren nicht mehr gut, obwohl eine Menge bekannte Künstler bei EMI sind. 2008 schrieb die L.A. Times, dass nahezu 9 von 10 EMI-Künstlern unprofitabel seien. Anfang dieses Jahres übernahm die Citigroup das Label, im Raum stand ein Verkauf an Warner Music. Nun ist bekannt: EMI soll zwischen Sony Music und Universal Music aufgeteilt werden. Nun sind es nur noch Big Three statt Big Four.

Funfact an der Geschichte: EMI hatte in der Vergangenheit schon mehrmals Pläne, Warner Music zu übernehmen um an Universal vorbeizuziehen und sich an Sony anzurücken. Nun wird EMI ausgerechnet von diesen Erzfeinden übernommen.

Als Musiknutzer kann einem das egal sein, woher die Musik kommt. Wo die Künstler sind, das ist für den Musikkonsum meistens nebensächlich. Für den Musikmarkt ist es jedoch eine denkbar schlechte Entwicklung: Bei nur noch drei Major-Labels herrscht wenig Konkurrenz. Alle drei Major-Labels werden die Entwicklung der Musikindustrie massiv beeinflussen, was an sich normal ist, aber bei so wenigen Marktführern schlechte Auswirkungen haben kann.

So waren es weder Warner Music, noch Sony Music oder Universal Music, sondern eben EMI im April 2007, die verkündeten, dass ihre Tracks auf iTunes ohne DRM und in höherer Qualität verfügbar sein werden. Erst danach haben die anderen Labels mitgezogen und natürlich ist dies auch auf anderen Downloadplattformen geschehen.

Ich bezweifele, dass Sony und Universal „ordentlich“ mit dem Online-Markt umgehen können, auch wenn man ihnen zugute halten kann, dass sie schon kritisch über die GEMA-YouTube-Geschichte geäußert haben. Erst neulich lief mir wieder ein Fall der falschen Preispolitik über den Weg. Der in dem Fall genannte Amazon-Preis ist übrigens mittlerweile angepasst und der Download genauso teuer wie die CD – obwohl beim Download eine Menge gespart wird (keine Lieferkosten zwischen Presswerk und Amazon, keine Plastikhülle, keine Presswerkkosten etc.).

Die Musiklabels verhalten sich wie die Buchverlage im E-Book-Markt: Vollkommen falsch. Langfristig werden sie den Online-Vertrieb somit an die Wand fahren und sich lieber über „Raubkopierer“ echauffieren, anstatt sich mal an die eigene Nase zu fassen und ein ordentliches Angebot zu schaffen. Ein Schelm, wer dabei denkt, dass das auch mit dem profitablen Abmahngeschäft zusammenhängen könnte.

Wahrscheinlich wird es immer ein Traum bleiben, dass ein innovativer Publisher an der Spitze steht und einen guten Kurs vorgibt oder dass es soviel Konkurrenz gibt, dass die Musiklabels von alleine einen guten Kurs einschlagen müssen. Dafür müssten wahrscheinlich erstmal alle jetzigen Major-Labels aussterben. So gesehen hat der EMI-Ausverkauf dann doch wieder etwas Gutes.

Rechtsstreit bei Folgenreich

Als Fan der „Die drei ???“ habe ich miterlebt, wie schnell eine Hörspiel-Serie gestoppt und ein Krieg zwischen zwei Rechteinhabern geführt wird. Damals ging es zwischen dem Hörspiellabel EUROPA (gehört zu Sony Music) und dem Kosmos-Verlag um die Urheberrechte der erfolgreichen Buch- und Hörspiel-Serie. Mit einstweiligen Verfügungen wurden ein paar Hörspiele und ein paar Bücher von der jeweiligen Gegen-Partei untersagt, am Ende einigten sich beide Parteien außergerichtlich.

Nun scheint es wieder eine Auseinandersetzung zu geben, diesmal zwischen dem Hörspiellabel Folgenreich (gehört zu Universal Music) und der Produktionsfirma Decision Products, die u.a. die Hörspielserien Gabriel Burns und Point Whitmark produzieren. Point Whitmark erscheint seit Juli unter Eigenregie und wird durch Sony Music vertrieben. Gabriel Burns hingegen ist noch auf dem Abstellgleis, wie Produzent und Regisseur Volker Sassenberg bei Experiment Stille erzählt. Es handelt sich bei dem Rechtsstreit zwischen Folgenreich und Decision Products jedoch nicht um Urheberrechte, sondern laut Sassenberg um Vertragsprobleme:

Folgenreich (Universal Music) hat den Gabriel Burns-Vertrag unserer Meinung nach nicht fristgemäß verlängert. Nach unserer Auffassung ist der Vertrag ausgelaufen. Darüber hinaus sind wir aufgrund vieler anderer vorgetragener Tatsachen im Rahmen der gerichtlichen Auseinandersetzungen der Meinung, dass es zu keiner weiteren Gabriel Burns-Veröffentlichung durch Folgenreich kommen wird.

Folgenreich will sich dazu nicht öffentlich äußern, was sie bei Point Whitmark auch nicht getan haben. Da muss man EUROPA und Kosmos schon lassen, dass diese über den Rechtsstreit und ihre Positionen informiert haben.

Tjoar und nun herrscht Pause bei Gabriel Burns, weil die Mühlen der Behörden bekannterweise langsam arbeiten und vor der Klärung keine neuen Folgen erscheinen können. Wahrscheinlich werden diese dann, so wie Point Whitmark, bald von Decision Products veröffentlicht und von Sony Music vertrieben werden. Aber das kann noch dauern.

Sassenberg kommt übrigens nicht darüber hinweg, auch nochmal in die Richtung der „Raubkopierer“ (sic!) zu schießen, als er eine Frage bezüglich Crowdfunding beantwortet:

[…] Crowdfunding ist eine Initiative, die letzten Endes auf den Enthusiasmus der wenigen beruht, die sowieso Enthusiasmus haben. Viel sinnvoller wäre es, wenn all diejenigen, die Hörspiele hören auch Hörspiele kaufen. Das würde völlig ausreichen, um die Produktionen zu finanzieren. Damit meine ich nicht nur unsere, sondern auch alle anderen. Die Raubkopiererei hat schlimme Ausmaße angenommen. Zudem gibt es keine Verhältnismäßigkeit in den Köpfen vieler Leute mehr. Einerseits wird für irgendwelches Junk Food bei McDonalds bereitwillig 13 Euro gezahlt, und auf der anderen Seite ist man dann nicht bereit, für die Monate lange Arbeit an einer Hörspielproduktion 6,99 Euro zu investieren. Wenn keine Hörer mehr CDs kaufen, wird es irgendwann keine CDs mehr geben.

Ich will das jetzt hier nicht in epischer Breite auseinanderpflücken, scheinbar sitzt Sassenberg da (leider) dem „Raubkopierer“-Klischee auf. Schade, denn wenn er sich wirklich mit Crowdfunding beschäftigt hat, sollte er auch mitbekommen haben, dass die Fans eines Produktes durchaus auch bereit ist, für dieses zu bezahlen. So ist es auch mit den „Raubkopierern“.

Die Erwachsenen-Hörspiel-Branche hat vielmehr das Problem, dass immer weniger Erwachsene Hörspiele hören und die Produktionskosten hoch sind, wodran auch der wachsende Hörbuch-Markt nicht ganz unschuldig ist. Rechtsstreitigkeiten sind auch nicht gerade die beste Werbung für Hörspiele.