Volker Pispers über Wulff und Gauck

Volker Pispers hat mal wieder einen schönen Kabarett-Beitrag zur aktuellen Lage geliefert. Dort als Podcast (1,3 MB), hier unten auf YouTube und ich habe mal ein Transkript davon gemacht. Viel Spaß. :-)

Jetzt sagen Sie nicht, es ist schon wieder Veilchendienstag.

Selten war der Spruch von den „tollen Tagen“ so zutreffend wie dieses Jahr. Ausgerechnet an Altweiber, dem ersten Höhepunkt des Straßenkarnevals, beschließt die Staatsanwaltschaft Hannover, dass Schluss mit lustig ist für den als Bundespräsidenten verkleideten größten Jeck des Landes.

Promt steigt am Freitag ihre Tollität Prinz Peinlichkeit Christian das Allerletzte nochmal in die Bütt, um in seiner Rücktrittsrede einen echten Kracher loszulassen: „Ich bin immer aufrichtig gewesen.“ Helau, jubelt das Volk mit Tränen in den Augen, super der Witz!

Dann der Auftritt der Bundeskanzlerin, die den peinlichsten Bundespräsidenten Allerzeiten keine 20 Monate zuvor mit all ihrer Kraft und Erpressungskunst im dritten Wahlgang durchgedrückt hatte. Mit zur Altweibermaske versteinertem Gesicht bekundet sie ihren großen Respekt für alles, was unser Payback-Präsident sich so geleistet hat. Dabei würde sie ihm wahrscheinlich am Liebsten mit Anlauf in die Körperteile treten, die er ganz offensichtlich nicht in der Hose hat.

Leider wiederholt Angela Merkel nicht den großen Brüllerwitz, den sie bei Wulffs Amtsantritt erzählt hat: „Christian Wulff hat ein klares Wertesystem, das ihm Orientierung gibt.“ Tätä, tätä, tätä, was haben wir gelacht! Und danach ging in der Jeckenhochburg Berlin mit der Suche nach dem neuen Ehrensold-Anwärter der Sitzungskarneval erst richtig los.

Nach Glamor Betty und Torfsack Wulff, Sie mit Arm-Tattoo und Er mit Hirn-Piercing, sollte das Amt wieder in Würde und Anstand erstrahlen. Und da konnte es nur einen geben, den amtierenden Präsidenten der Herzen und vom Narrenvolk verehrten Gauckler. Denn SPD und Grüne sind wild entschlossen, sich weiter vorzugauckeln, der Pastor aus dem Osten sei einer der Ihren. Aber vielleicht ist er das ja auch und SPD und Grüne haben mit dem Vorschlag Gauck gar nicht die Kanzlerin vorgeführt sondern nur sich selbst entlarvt.

Joachim Gauck hat Hartz IV gelobt, Thilo Sarrazin als mutig bezeichnet und die Proteste der Occupy-Bewegung gegen die Banken und den das Leben von immer mehr Menschen ruinierenden Kapitalismus als lächerlich und albern abgetan. Da weiß man doch, woran man ist. Ja, da saß sie auf dem Podium und strahlte, die ganz ganz große Koalition aus CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen mit dem Apologet in der Zweidrittel-Gesellschaft als Heilsbringer in ihrer Mitte.

Angela Merkel aber, die ist mal wieder mit einem blauen Auge davongekommen. Und das passt doch prima zu Veilchendienstag. Bis neulich.

Volker Pispers zur Abgeordnetenwahl in Berlin

Kabarettist Volker Pispers hat sich mal die Abgeordnetenwahl in Berlin angesehen und darüber gestern bei WDR2 gesprochen. Das kann man sich als Podcast runterladen (MP3, 1,3 MB) oder bei YouTube ansehen:

http://www.youtube.com/watch?v=kXZEZkIWYqU

Und bevor die Sachen verschwinden habe ich ein Transkript gemacht, so wie damals zum Parteitag der Piratenpartei. Los geht’s:

Jetzt sagen Sie nicht, es ist schon wieder Dienstag. Wann bin ich jemals so gerne eines besseren belehrt worden? Bis zuletzt hatte ich befürchtet, dass sich die primitiv-populistische anti-europäische Stimmungsmache der FDP bei der Wahl in Berlin auszahlen könnte. Aber die haben da derart überlegt und emanzipiert die Wahlzettel bekritzelt, dass ich wieder weiß, warum der Wähler souverän genannt wird. Wenn von fast 2,5 Millionen Wahlberechtigten nur noch knapp 27 tausend bereit sind, ihr Kreuz bei der FDP zu machen, muss man sich seiner Freudentränen nicht schämen. Und nein, es ist keine Schadenfreude, es ist die reine Freude darüber, dass dem Souveränen am Ende doch noch nicht alles egal ist. Am Ende will er sich doch nicht von einem Stabsarzt die Wirtschaft erklären lassen. Die Partei der Abzocker, die uns seit Jahren weiß zu machen versucht, es ginge dem Staat dann am Besten, wenn die Reichen möglichst wenig Steuern zahlen, hat in Berlin gerade mal 5 tausend Stimmen mehr geholt als die Tierschutz-Partei. Und behaupten Sie nicht, Sie wären auf diesen meterlangen Wahlzetteln schonmal soweit vorgedrungen, dass Sie wüssten, dass es die wirklich gibt. Philip Rösler versprach zu liefern und er hat Wort gehalten, er hat geliefert, und zwar seine Partei ans Messer. Und kein Westerwelle weit und breit, dem man das Desaster in die Schuhe schieben kann. Jetzt muss Angela Merkel mit einem Koalitionspartner leben, der klinisch tot ist, aber wie ein Huhn, dem man den Kopf schon abgeschlagen hat, flügelschlagend umherirrt. Auf die Frage nach den Auswirkungen der Beliner Wahl auf die schwarz-gelbe Koalition im Bund hat sie prompt gesagt: Wir werden die Regierungsarbeit weiter mit der FDP erledigen. Ehrlicher wäre gewesen zu sagen: Wir werden weiter mit der Regierungsarbeit die FDP erledigen. Aber der Berliner Souverän hatte noch mehr in Petto: Dem Salon-Löwen Wowereit wurden die Zähne gezogen. Die Linkspartei, die in Berlin 10 Jahre lang Geräusch- und Zahnlos mitregiert hat, hat in dieser Zeit die Hälfte ihrer Wähler verloren und den Grünen, die längst versuchen sich als eine Art sympathische FDP zu positionieren, die wenn sich die Chance bietet auch mit der CDU koalieren würde, wurden die Piraten auf den Hals gehetzt. Es wird lustig sein zu hören, wie Trittin und Künast den Piraten jetzt all das vorwerfen, was sie sich selber anhören mussten, als sie noch eine echte politische Alternative waren. Die CDU darf sich über Gewinne freuen, und muss doch damit leben, dass 70 Prozent der Stimmen links von ihr gelandet sind. Selten wurde so elegant und differenziert gewählt, da kann man nur ausrufen: Ick bin ein Berliner. Bis neulich.

Wahrlich eine gute Analyse. :-)

Volker Pispers zum #bpt11 der Piratenpartei

Ist Volker Pispers eigentlich Mitglied der Piratenpartei? Zumindest scheint er Bundesparteitag der Piratenpartei vom letzten Wochenende ziemlich gut verfolgt zu haben, wie man hören kann:

http://www.youtube.com/watch?v=0sm4X76ydQU

Und bevor das von YouTube weg ist, habe ich hier ein Transkript gemacht:

Jetzt sagen Sie nicht, es ist schon wieder Dienstag. Am Wochenende durften wir erleben, dass auch eine kleine, von vielen belächelte Partei, sehr wohl etwas auszurichten vermag. Zumindest einen spannenden Parteitag kann sie ausrichten. Auch wenn man in allen Umfragen unter 5 Prozent liegt, kann man quicklebendig und lebhaft diskutieren. Und die Abstimmung über den neuen Vorsitzenden war so spannend wie selten. Der alte Parteivorsitzende war ja nicht mehr angetreten, jetzt hatten die Mitglieder die freie Wahl zwischen verschiedenen Kandidaten mit ganz unterschiedlichen inhaltlichen Ausrichtungen. Der eine wollte sich ganz auf die Kernthemen der Partei konzentrieren, der andere hielt eine emotionale Rede in der er einen Richtungswechsel forderte und dass die Partei sich in öffentlichen Debatten stärker positionieren müsse. Den berühmten Spruch „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibts einen, der die Sache regelt“ konterte er mit dem Ruf „Allein mit heißer Luft, liebe Piraten, treibt man kein Schiff an“. Denn natürlich spreche ich die ganze Zeit von der Piratenpartei, wovon denn sonst? Solche Kampfkandidaturen können sich doch nur Parteien leisten, über die so gut wie gar nicht berichtet wird. Wie viele Artikel haben Sie über den Bundesparteitag der Piraten heute in Ihrer Zeitung gefunden? Ich weiß ja nicht, welches Druckerzeugnis Sie lesen müssen, aber wenn Sie nicht Zeit und Lust haben, auch die kleinen Artikel unter „Vermischtes und Kuriositäten“ zu studieren, dürfte der Bundesparteitag der Piraten samt ihrem neuen Vorsitzenden Sebastian Nerz, der mit 60 Prozent der Stimmen gewählt wurde, völlig an Ihnen vorbeigegangen sein. Richtig so, sagen viele, die liegen in Umfragen bei lächerlichen 2 Prozent. Die Schlagzeilen gehören selbstverständlich der FDP, die mit 4 Prozent fast doppelt so stark ist wie die Piraten. Und deshalb kann sich die FDP eine Kampfkandidatur mit Richtungsentscheidung gar nicht leisten. Ein FDP-Vorsitzender, der nach intensiven inhaltlichen Debatten mit nur 60 Prozent der Stimmen, also ehrlich gewählt wird: undenkbar. Der wäre für die Medien schon vor Amtsantritt gescheitert. Und wie sähe das denn auch aus, wenn man mit dem Mann, der die Karre in den Dreck gefahren hat, inhaltlich abrechnen würde? Gar nicht gut sähe das aus, und das ist doch alles, was unsere Parteien heutzutage noch wollen: Gut aussehen. Dafür macht man sich auch gerne mal mit zu dick aufgetragener Schminke lächerlich, indem man dem mit Schimpf und Schande aus dem Amt gemobbten alten Parteivorsitzenden Minutenlang mit stehenden Ovatrionen feiert. Das hätte sich Christoph Daum, der andere Heißluft-Produzent, der am Wochenende endgültig unter Deck musste, sicher auch gewünscht. Bis neulich.

Herrlich! :-)