Klagen gegen den Zensus 2011

Erinnert sich noch jemand an den Zensus 2011? Mittlerweile gibt es Kommunen, die dagegen klagen. Nein, nicht wegen Datenschutz, sondern weil der Zensus ihre Marketing-PR-Zahlen mal korregiert hat. So sind in Berlin laut Zensus 180.000 Einwohner weniger als angenommen gewesen, wodurch Berlin seit 2011 1,6 Milliarden Euro weniger vom Länderfinanzausgleich bekommen hat.

Interessant ist die Begründung, mit der Berlin nun dagegen vorgeht (Archive):

Der rot-schwarze Senat wehre sich damit gegen ein „verfassungswidriges Gesetz, das auch erhebliche finanzielle Folgen hat“, erklärte Innensenator Frank Henkel. […] „Der Berliner Senat hat erhebliche Zweifel sowohl an der Richtigkeit der im Zensus 2011 festgestellten amtlichen Bevölkerungszahl als auch darüber, ob diese Feststellung überhaupt auf einer verfassungsgemäßen Rechtsgrundlage beruht“, hieß es.

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Zensus 2011: Meinungen und Erfahrungen von Volkszählern

Anfang April habe ich über einen Erfahrungsbericht eines Volkszählers berichtet, der bei einem Info-Termin zum Schluss kam, dass die Aktion viel Arbeit aber wenig Bezahlung ist.

Mittlerweile melden sich immer mal wieder andere Volkszähler in den Kommentaren darunter, die verschiedene Berichte abliefern: Die meisten finden die Arbeit in Ordnung, haben jedoch teils Probleme, ihr Geld zu kriegen. Bei anderen wiederum läuft es glatt und sie haben auch schon ihr Geld bekommen.

Wie immer liegt es wohl daran, dass jede Kommune anders damit umgeht. Ich bin gespannt, ob sich noch mehr Volkszähler melden, gerne auch hier.

Der Zensus 2011 und die Glaubensfrage

Der SPIEGEL hat etwas zum Zensus, was sehr interessant ist. Es geht darum, dass in dem Fragebogen zur Haushaltsbefragung (also wenn der Volkszähler an der Tür klingelt und mit einem Fragebogen wedelt) man gezwungen ist, eine Religion anzugeben:

Der Fragebogen erzwingt also quasi ein religiöses Bekenntnis von Leuten, die Glaube und Kirche fernstehen, weiter aber dafür Steuern zahlen. Zweifler oder gar Ungläubige, die aus Bequemlichkeit, Tradition oder sonstigen Gründen – etwa, weil sonst der Job flöten ginge – in der Kirche bleiben, gibt es offiziell in Deutschlands Kirchen nicht, das ist damit geklärt.

Was erfährt man auf diese Weise? Die Zahl der bereits über die Steuerregister erfassten Kirchensteuerzahler, und nicht viel mehr. Die werden statistisch in Gänze als „religiös“ verbucht. Und nicht nur die.

Ja, wer denn noch? Richtig, die ganzen Schein-Religionen:

Anhänger des Druidentums, des Wicca-Hexenkults, begeisterte Esoteriker oder Satanisten haben ebenfalls kein Problem, ihr Kreuz zu setzen.

Sie gelangen von „keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft“ im – immerhin freiwillig zu beantwortenden – Frageblock 8 problemlos zu „Sonstige Religion, Glaubensrichtung oder Weltanschauung“. So fallen dann auch die Troll-Anhänger in die Gemeinschaft der Gläubigen.

Na prima. Und was dürfen wir dann erwarten?

Im Ergebnis der Statistik dürfen wir also einen Anstieg der Zahl religiös orientierter Menschen erwarten. Beim Zensus kommt keine vertiefte Information zu diesem Thema heraus, sondern eine völlig verfälschte: Statistisch wird Deutschland so quasi zum Gottesstaat.

Ach du scheiße. Da wird sich die CDU freuen und bestimmt gleich einen Plan aushecken, wie zukünftige kritische Gesetze mit der Bibel begründet werden können.

In dem Bericht steht weiter, dass das statistische Bundesamt sich diesem Problem bewusst ist. Zum SPIEGEL haben sie gesagt, Religionen lassen sich „schwer systematisieren“ (ach ne!) und dass das Gesetz nunmal so mit diesen Formulieren verabschiedet wurde.

Schwarzer-Peter-Weiterschieben ist das einzige, was Behörden wirklich gut können.

Zensus 2011: 20 Volkszähler von der NPD in NRW dabei

DerWesten berichtet, dass 20 Volkszähler der NPD alleine in Nordrhein-Westfalen dabei sind. Auf der Seite der NPD-NRW findet man einen Eintrag vom 13.04.2011, indem die NPD dies angekündigt hat. Der NPD-NRW-Landesvorsitzende Claus Cremer wird dort zitiert, dass mit 20 Volkszählern rund 2.000 Hausbesuche von NPD-Mitgliedern und Sympathisanten gemacht werden. Die NPD hatte in den letzten Monaten dazu aufgerufen, sich zu beteiligen, um „nationale Marktforschung“ zu betreiben.

Ich kann daher nur wiederholen: Wer einen Fragebogen kriegen sollte, dem sollte bewusst sein, dass er diesen nicht im Beisein des Volkszählers ausfüllen muss und diesen auch nicht in die Wohnung lassen muss. Allerdings sollte man dann den Fragebogen per Post schicken und nicht online ausfüllen.

Falsche Volkszähler beim Zensus 2011 unterwegs

Zwei taz-Journalisten haben sich als Volkszähler ausgegeben und getestet, ob die Leute darauf reinfallen. Das Ergebnis:

Sechsmal wurde uns die Tür geöffnet, zweimal wurden wir abgewiesen – nicht aus grundsätzlichen Zweifeln oder einer Antihaltung zur Volkszählung, sondern weil die beiden Frauen einfach keine Zeit hatten.

Dabei wurden die Leute auch nach politischer Einstellung, Drogenkonsum und Geschlechtsverkehr gefragt – Dinge, die nicht im offiziellen Fragebogen stehen. Dennoch haben die Leute bereitwillig Auskunft darüber gegeben.

Es ist in der Tat schwierig, echte Volkszähler zu erkennen. Das liegt nichtzuletzt daran, dass es wenig bis garkeine Informationen gibt. Auf der offiziellen Zensus-Seite ist der echte Ausweis auch ziemlich versteckt. So sieht er aus:

Zusätzlich muss sich ein Volkszähler auch mit einem „Lichtbildausweis“ (Personalausweis, Reisepass oder Führerschein) ausweisen können. Erst nach dieser Überprüfung sollte man überhaupt mit dem Volkszähler über Daten sprechen, allerdings auch nochmal der Hinweis, dass man nicht gezwungen ist den Volkszähler in die Wohnung zu lassen. Man kann sich auch den Fragebogen vor der Tür aushändigen lassen und diesen per Post zurückschicken.

Letzteres sollte man ohnehin tun, denn auch echte Volkszähler können Kriminelle sein.

(Bild: Statistisches Bundesamt / Danke Tilman!)