DerWesten zeigt, was das ZDF nicht zeigen will

DerWesten titelt: “ZDF will Unglücks-Bilder nie mehr zeigen”. Es geht um die Unfallszene aus der letzten “Wetten, dass…?”-Sendung:

Es ist ein Ereignis, das in die TV-Geschichte eingehen wird – aber die Bilder, sagt ZDF-Sprecher Walter Kehr auf Anfrage von DerWesten, „wollen wir nie wieder zeigen“. Wiederholungen seien ausgeschlossen, erklärt Kehr. Eine Ausnahme würde man vielleicht höchstens für einen TV-Jahresrückblick machen – „wenn Samuel alles ohne Nachwirkungen überstehen würde“, sagte Kehr.

Vorbildlich. Genauso vorbildlich, wie das ZDF am Samstagabend reagierte und sofort das Publikum anstelle dem verletzten Samuel K. gezeigt hatte. Ob für einen Jahresrückblick die Szene unbedingt nochmal gezeigt werden muss, das sei mal dahingestellt – aber ein “vielleicht” heißt noch lange nicht “ja, auf jeden Fall”.

Doch zurück zu DerWesten: Nur wenige Absätze unter der ZDF-Aussage, dass die Bilder nicht nochmal gezeigt werden sollen, sieht man folgendes (Verpixelung von mir):

Man beachte auch die Bildunterschrift, die eindeutig zeigt: Genau diese Bilder sind es, die das ZDF nicht mehr veröffentlichen will. Ironischer Weise wird neben den Bild über die “Sensationslust” geschrieben.

Die Krönung bildet eine Klick-Fotostrecke – nur einen Absatz weiter. Standbilder des Sprungs, weitere Bilder von der Erstversorgung. Ganz großes Kino, das DerWesten da zeigt: Auf einer Höhe mit der BILD.

Wie die Tagesschau die Klickstrecke entdeckte

Egal welches Ereignis ansteht: Klickstrecken mögen die Medien gerne. Deswegen findet man längere Artikel oftmals nur auf zwei Seiten gesplittet und Fotostrecken werden mit 20 Fotos und mehr gefüllt, damit der Leser schön viel klickt.

Die Medien finden das deswegen toll, weil ihnen irgendein SEO-Typ verklickert hat: Je mehr eure Besucher klicken, desto mehr Pagevisits habt ihr. Und: Pagevisits ist wie mit den Fernsehquoten – wer die meisten hat, ist der Beste. Das diese weitverbreitete Meinung vollkommen absurd ist, weil Internetnutzer ungerne viel herumklicken und viel mehr Wert auf den Content legen, ist den SEO-Typen und auch den Medien vollkommen egal.

Und somit wundert es nicht, dass es zu besonderen Ereignissen immer große Klick-Fotostrecken gibt. Besonders SPIEGEL ONLINE und BILD sollten in dem Zusammenhang genannt werden, die von Klick-Fotostrecken gar nicht genug kriegen können. Möglichst viele Bilder zu einem Artikel und unter jedem Bild einen Text, am besten auch noch einen Satz über drei Bilder verteilt, damit die Fotostrecke schön lang ist und mehr Pagevisits in der Statistik auftauchen.

Die Tagesschau hat das scheinbar nun auch entdeckt: Es gibt zu dem Unfall bei “Wetten, dass…?” eine “Presseschau”-Klickstrecke. Auf acht Seiten verteilt wird jeweils in einem Absatz eine andere Zeitung zitiert, der längste Absatz hat 15 Zeilen, die meisten sind knapp halb so lang. Unüblich für die Tagesschau, normalerweise werden dort Artikel mit vielen kürzeren Absätzen veröffentlicht, Klickstrecken oder das Splitten eines Artikels auf zwei Seiten gibt es dort fast nie.

Hoffentlich fängt die Tagesschau nicht damit an, dies zum Standard zu erklären. Das wäre ein enormer Rückschritt in Sachen Userfreundlichkeit. Es ist schon schlimm genug, dass die Tagesschau nicht einmal einen Link auf die Online-Artikel der Konkurrenz zu den Zitaten setzt.

(Screenshot: Tagesschau)