Digitaler Radiergummi funktioniert doch!

Erinnert ihr euch noch an den Quatsch mit dem digitalen Radiergummi “X-Pire!” vom Januar, den Facebook-Ilse so toll findet? Nun, scheinbar funktioniert der digitale Radiergummi doch, zumindest falls die Firma ihn bei sich selbst angewendet hat. :-)

Nur die BESTEN der BESTEN der BESTEN, Sir!

Funfact: Die Seite findet man natürlich noch im Google-Cache. Außerdem war dort früher eine andere Seite drauf, die in der Wayback-Machine nicht wegradiert ist.

"Digitaler Radiergummi" ist nutzlos

Ich hatte ja heute von Ilse Aigner berichtet. Sie sagt dort in dem Interview über “X-Pire!”:

SZ: Innenminister de Maizière hat einen “digitalen Radiergummi fürs Internet” ins Gespräch gebracht. Jeder Nutzer könnte Daten, die über ihn vorhanden sind, löschen lassen.

Aigner: Ein interessanter Vorschlag.

SZ: Experten bezweifeln aber, dass das technisch möglich ist.

Aigner: Deutsche Informatiker haben mittlerweile eine Art digitalen Radiergummi entwickelt: ein System, mit dem jeder seine Dateien und Bilder mit einem Verfallsdatum versehen kann, bevor er sie ins Internet stellt. Nach Ablauf dieser Frist kann die Datei nicht mehr aufgerufen werden. Wenn es funktioniert, käme das einem Radiergummi doch sehr nahe und ließe sich auch weltweit verkaufen. Ich freue mich, dass der Erfinder Michael Backes, Professor für Informationssicherheit und Kryptographie der Universität des Saarlandes, die Technologie bei einer Fachkonferenz meines Ministeriums am 11. Januar in Berlin vorstellen wird.

Flippy08 aus dem Alpha-IRC hat sich das mal angesehen: Nicht nur die von mir schon geschriebene Screenshot-Möglichkeit gibt es, auch wenn man das entschlüsselte Bild abspeichert, wird dieses unverschlüsselt abgespeichert. Seht selbst:

Wir sehen: Wenn man das verschlüsselte Bild entschlüsselt hat, kann man das entschlüsselte Bild abspeichern. Somit ist es dann kein Problem, das entschlüsselte Bild auch noch anzusehen, wenn das verschlüsselte Bild abgelaufen ist.

Das ist so, wie wenn man einen TrueCrypt-Container ins Netz stellt und diejenigen die das Passwort haben die Dateien dort herauskopieren. Nun haben diejenigen keinerlei Probleme, die Datenkopien öffentlich ins Netz ohne Passwortsicherung zu stellen. Und darüber hat dann wiederum derjenige, der den TrueCrypt-Container online gestellt hat, keinerlei Kontrolle mehr.

Technisch ist dies also keineswegs ein “digitaler Radiergummi”. Die Daten im Netz sind zwar erstmal weg, aber die Kopien leben weiter – und werden vielleicht von anderen wieder ins Netz gestellt. Dies wird von Ilse Aigner nicht erwähnt (vielleicht, weil sie es technisch nicht nachvollziehen kann?).

Danke Flippy08 für die Screenshots!

Facebook-Ilse ist zurück [UPDATE]

Yeah, auch 2011 wird Facebook-Ilse versuchen, das Internet sicherer und uns das (Online-)Leben schwer zu machen. Zu Beginn gibt es ein Interview mit der Sueddeutschen.

Der erste Lacher:

Meine Kündigung hat eine breite Debatte angestoßen, die große Kreise zog, sogar bis in die USA.

Liebe Frau Aigner, hätten Sie mal in dieses Internet reingeguckt, hätten Sie gesehen, dass sich alle Internetnutzer über Sie lustig gemacht haben, weil eine einzelne Abmeldung bei Facebook absolut gar nichts bringt (was Sie ja mittlerweile auch zugeben). Eine Debatte gab es hier nicht.

Interessant ist dann:

Deshalb muss der Datenschutz im Internet auf europäischer Ebene erörtert werden, und diese Fragen werden in Zukunft Thema bei G8- oder G20-Treffen sein.

Mit solchen Themen befassen die sich da? Ich dachte ja bislang, dass es mit der zunehmenden Armut auf der Welt weitaus wichtigere Themen bei den G8-/G20-Gipfeln gibt.

Alles in allem ist das Interview recht mager und auffallend unkritisch. Zum Ende hin darf die Ministerin dann auch noch sagen, was sie alles schon erreicht hat. Da fällt dann auch mein Lieblingssatz “Das Internet ist kein rechtsfreier Raum”.

Es ist also alles wie immer, freuen wir uns auf Facebook-Ilse’s neue Pläne.

Achja: In dem Interview redet sie auch davon, das jemand einen “digitalen Radiergummi” erfunden hätte. Das ist X-Pire, mit der Software kann man ein Bild verschlüsseln und dieses mittels eines Firefox-Plugins wieder entschlüsseln, andernfalls steht da nur ein Text, wo man die Software kriegt. Wenn das Bild dann “abgelaufen” ist, lässt es sich auch nicht mehr entschlüsseln.
Das ist zwar vielleicht ein guter Ansatz, aber a) viel zu viel Aufwand mit dem installieren der Sachen, b) läuft das ganze bislang nur in Firefox, c) bleibt die Umgehung mit Screenshots. Gerade letzteres wird wohl nie vermeidbar sein.

UPDATE:
Bei X-Pire kann man sich bislang nur das Firefox-Entschlüsselungs-Plugin runterladen, die Software ist wohl noch nicht fertig. Dafür wurde die PR-Trommel aber schon mächtig gedreht.