Döpfner: Zeitungen haben Zukunft

Die Axel Springer AG will die WAZ kaufen. Achtet dabei auf das dortige Zitat von Mathias Döpfner, dem Springer-Chef:

[…] teilte Döpfner in freundlich-optimistischem Ton mit, dass seiner Meinung nach Zeitungen und Zeitschriften „auch langfristig … eine attraktive Zukunft haben“ […]

Na, da sind wir aber alle beruhigt. Noch Ende Juni sagte Döpfner in der Debatte um die Tagesschau-App nämlich folgendes:

„Wenn Gratisangebote der Öffentlich-Rechtlichen den Privaten das Geschäftsmodell in der digitalen Welt zerstören, wird es in den nächsten zehn Jahren Zeitungspleiten geben. Und dann werden irgendwann Gremien zusammentreten, um die Zukunft des Qualitätsjournalismus zu retten und den Zeitungen gnädig Gebühren anbieten.“

Das können wir dann wohl mal als Propaganda beerdigen, denn laut Döpfner haben Zeitungen ja eine langfristige und attraktive Zukunft.

Man sollte vielleicht öfters mal Briefe von Herrn Döpfner veröffentlichen um die Propaganda von Springer zu entlarven. Und wo wir bei der WAZ waren, die haben da rein zufällig auch eine Leaking-Plattform… :-)

Medienbetrollung: UniOS

Maik Mixdorf, 18jähriger Schüler aus Lünen in NRW, hat in letzter Zeit damit Aufsehen erregt, dass er laut Presseberichten zusammen mit Freunden ein Betriebssystem entwickelt haben will, auf dem sowohl Windows- als auch Apple-Programme problemlos laufen: UniOS. Schon im Mai gab es Berichte darüber, da hieß es noch „Chairs“. Der Höhepunkt war ein RTL-Bericht, in dem Mixdorf als „der wohl vielleicht klügste Kopf NRWs“ bezeichnet wurde.

Golem hat den Entwickler besucht und festgestellt, dass da nichts dran ist. Programme liefen nicht, Quelltext durfte nicht überprüft werden, Fragen wurden mit Floskeln oder Ausreden abgebügelt.

Am Ende hat sich nun rausgestellt, dass es ein Win XP mit Addons ist. Es ist also kein eigenes Betriebssystem, die Medien haben sich auf die reinen Behauptungen des Schülers verlassen. Glückwunsch zu diesem Medientrollen. :-)

(Danke, Rhodan)

ComputerBILD: Die Zeitschrift für DAUs

Die ComputerBILD: Die Zeitschrift, in der das Wort „Festplatte“ noch mit einem Sternchen versehen wird …

… und unten auf der Seite ein Hinweis zu finden ist, wo der typische ComputerBILD-DAU-Leser diesen Begriff im Heft erklärt bekommt.

(Sorry für die schlechte Foto-Qualität, habe ich erst am PC gesehen.)

Übrigens ging es in dem Artikel über die gefakete BKA-Sperre, über die schon Ende März berichtet wurde. Da hinkt die ComputerBILD aber ziemlich hinterher.

Ein echter Lesetipp im Zusammenhang, wie die „BILD“-Redaktionen so arbeiten: „Der Aufmacher“, die von BILD rausgeklagten Stellen finden sich im Internet. Da kommt heutzutage noch dazu, dass die „BILD“ auch gerne immer wieder Fotos von Opfern aus sozialen Netzwerken rauskopiert und benutzt, meistens ohne Verpixelung. Die meisten kennen das ja schon aus dem BILDblog.

Bevor ihr fragt, warum ich eine ComputerBILD kaufe: Habe ich gar nicht. Mein Bruder ist leider total verblendet und kauft sich diesen Schund ständig. Er wollte mir heute da unbedingt einen Artikel zeigen, wobei mir dann diese Sternchen aufgefallen sind. Immerhin sagt er von sich selbst, dass ihm die c’t zu hoch sei. Ich lasse das mal so stehen. ;-)

iShareGossip: Agenturmeldung statt Recherche

Erst vor kurzem hat Stefan Niggemeier gezeigt, dass die meisten Nachrichten auf den Nachrichtenseiten von Agenturen übernommen werden. So auch derzeit im Falle der Meldung, dass der Betreiber der Mobbingseite iShareGossip.com festgenommen worden sei.

Der Agenturtext dazu ist bei nahezu allen Nachrichtenseiten zu lesen, meist wie bei RP-Online und DerWesten nur ein kurzer Text. Der SPIEGEL hat immerhin bei der Polizei nachgefragt:

Die Lübecker Polizei bestätigte SPIEGEL ONLINE die vorläufige Festnahme eines Verdächtigen. Für weitere Auskünfte verwies die Behörde auf die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Diese war am Freitagmorgen nicht zu erreichen.

Unverständlich ist mir jedoch, warum es scheinbar kein Journalist schafft, die Internetseite von iShareGossip aufzurufen und im Blog mal nachzulesen, ob es dort etwas gibt. Da gibt es in der Tat etwas – nämlich ein Statement des restlichen iShareGossip-Teams. Da die Seite indiziert ist verlinke ich das besser mal nicht, aber gegen einen Screenshot von blog.isharegossip.com sollte nichts einzuwenden sein:

Dieses Statement wird nichtmal vom SPIEGEL, der ja suggeriert er hätte super recherchiert, angesprochen. Soviel Zeit war für die Recherche dann wohl doch nicht.

Auch nach Stefan Niggemeiers Kritik und der Debatte darum scheinen die meisten Nachrichtenseiten also weiterhin nur auf Agenturmeldungen zu setzen. Solange keine Agentur das Dementi von iShareGossip über den Ticker laufen lässt, wird es in den Medien vermutlich auch nicht erwähnt werden. Lediglich die IT-Nachrichtenseite Golem hat in einem Artikel von heute Morgen das Dementi erwähnt.

So funktioniert also der Journalismus im 21. Jahrhundert. Super. Einstellungsvoraussetzung ist übrigens in der Regel ein abgeschlossenes Journalistenstudium. Zum Nachrichten abschreiben. Yeah.

Übrigens: Auf das Dementi bin ich nur durch meine Neugier aufmerksam geworden, die wohl jeder hat, der sich fragt, ob es da eine Reaktion von anderen Teammitgliedern gibt.

Anmerkung:
Während dem Schreiben des Artikels kündigte DerWesten auf meine Nachfrage an, sich das nochmal anzugucken. Wenig später kam die Meldung, dass Manuel T. ein „Trittbrettfahrer“ sei, in dem Zusammenhang wird nun auch das Dementi erwähnt.

Falsche Volkszähler beim Zensus 2011 unterwegs

Zwei taz-Journalisten haben sich als Volkszähler ausgegeben und getestet, ob die Leute darauf reinfallen. Das Ergebnis:

Sechsmal wurde uns die Tür geöffnet, zweimal wurden wir abgewiesen – nicht aus grundsätzlichen Zweifeln oder einer Antihaltung zur Volkszählung, sondern weil die beiden Frauen einfach keine Zeit hatten.

Dabei wurden die Leute auch nach politischer Einstellung, Drogenkonsum und Geschlechtsverkehr gefragt – Dinge, die nicht im offiziellen Fragebogen stehen. Dennoch haben die Leute bereitwillig Auskunft darüber gegeben.

Es ist in der Tat schwierig, echte Volkszähler zu erkennen. Das liegt nichtzuletzt daran, dass es wenig bis garkeine Informationen gibt. Auf der offiziellen Zensus-Seite ist der echte Ausweis auch ziemlich versteckt. So sieht er aus:

Zusätzlich muss sich ein Volkszähler auch mit einem „Lichtbildausweis“ (Personalausweis, Reisepass oder Führerschein) ausweisen können. Erst nach dieser Überprüfung sollte man überhaupt mit dem Volkszähler über Daten sprechen, allerdings auch nochmal der Hinweis, dass man nicht gezwungen ist den Volkszähler in die Wohnung zu lassen. Man kann sich auch den Fragebogen vor der Tür aushändigen lassen und diesen per Post zurückschicken.

Letzteres sollte man ohnehin tun, denn auch echte Volkszähler können Kriminelle sein.

(Bild: Statistisches Bundesamt / Danke Tilman!)