KinderServer ohne Piraten [UPDATE]

Derzeit geht ein Screenshot auf Twitter rum, auf dem zu sehen ist, dass die Website der Piratenpartei bei dem gestern vorgestellten „KinderServer“ gesperrt ist. Gleichzeitig sollen die Websites der anderen Partein erreichbar sein.

Der „KinderServer“ ist praktisch das, was Zensursula einführen wollte: Ein Proxy, mit dem Internetangebote gefiltert werden. Beim „KinderServer“ wird alles gefiltert, was nicht für Kinder und Jugendliche sein soll, also zum Beispiel Erotikseiten.

Aber warum sind bei den Parteien nur die Piraten gesperrt? Ganz einfach: Der „KinderServer“ nutzt die Whitelist von FragFINN, einer Kindersuchmaschine hinter denen mehrere Konzerne wie Bertelsmann, Telekom, Google und Microsoft stehen. Dort ist die Piratenpartei derzeit nicht freigegeben:
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Radio-Feature: Einstweilig verfügt

Der Autor Herbert Hoven hat ein Radiofeature zu Einstweiligen Verfügungen bei Büchern gemacht. Es wird die Verfügung gegen „Ein Traum mit einem Schiff“ angerissen, hauptsächlich geht es aber um den Rechtsstreit beim „Schwarzbuch WWF“. Dazu wird auch der Justiziar von Random House interviewt.

Spannende Erkenntnis: Bücher werden als beständiges Medium angesehen, weil Richter davon ausgehen, dass Bücher vererbt werden, in Bibliotheken vorgehalten werden und somit viele Leute erreicht werden. Anders bei Hörbüchern, Filmen, DVDs, Zeitungen und Zeitschriften – diese gelten als flüchtige Medien, die sich versenden und dadurch viel weniger Leute erreichen als mit Büchern. Ich vermute, dass diese Ansicht von der Haltbarkeit der Trägermedien abgeleitet ist.

Auch interessant: Wenn es im Vorfeld zu einem Buch Bedenken z.B. von Erben gibt, kann es schonmal 6-8 Wochen dauern, bis der Autor auf diese Sachen antworten kann, weil er dafür natürlich seine ganzen Belege durchsuchen muss.

Insgesamt ein schönes Feature, aber mit knapp 18 Minuten leider viel zu kurz für dieses große, wichtige Thema. Schnell runterladen, bevor depubliziert wird.

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Dialog Internet: Mehr Zensur, bitte

Kristina Schröder hat (zusammen mit dem sächsischen Ministerpräsident Stanislaw Tillich) die Kampagne „Dialog Internet“ gestartet. Die Kampagne besteht daraus, dass Anbieter für Zensursoftware (für Eltern) vorgestellt werden. Und eigentlich wird schon im ersten Satz klar, was diese Kampagne ist:

Eine Kampagne von Politik und Wirtschaft soll für mehr Kinderschutz im Internet sorgen.

Richtig, eine Wirtschaftsförderung. Die Wirtschaft hat kein Interesse an Kindern mit Medienkompetenz sondern an Eltern, die Zensursoftware kaufen. Kein Wunder, dass die Kampagne von der CDU kommt.

Unter den „Köpfen“ der Aktion findet sich auch Julia von Weiler von Innocence in Danger, ich sag nur „Tatort Internet“. Da dürfte also ohnehin viel Panikmache herrschen, da fällt Zensursoftware auf fruchtbaren Boden.

3 Jahre Internetsperren

Gestern vor drei Jahren, also am 18. Juni 2009, hat der deutsche Bundestag Internetsperren beschlossen. Die wurden zwar nie angewendet, dennoch war das eine Sternstunde der Netzpolitik, um zu sehen, wie internetfern die Parteien sind.

Ich habe kürzlich auf meiner Festplatte das PDF-Dokument mit der namentlichen Abstimmungsliste gefunden. Sowas liest man sich ja selten durch, aber da sind einige Lacher bei. Zum Beispiel haben Merkel, Westerwelle und Steinmeier ihre Stimme gar nicht abgegeben, die hatten wohl wichtigeres zu tun.

Besonders lustig ist, dass die CDU/CSU-Vorzeige-Twitterer Peter Altmaier und Dorothee Bär beide für Internetsperren gestimmt hatten. Symboltwitterer mit einem Herz für Zensur. :-)

Microsoft löscht Berichte bei Google

Microsoft entfernt Berichte über Windows 8 aus Google-Suchergebnissen, mit der falschen Begründung, es handele sich um Urheberrechtverletzungen. Lest euch den Artikel mal durch, recht spannend wie das so abläuft wenn man Beschwerde einlegt.

Ich frage mich gerade, was passiert, wenn der Seitenbetreiber kein Google-Webmastertools nutzt. Die werden doch gar nicht informiert, oder? Gibt es Zahlen, wie viel Prozent aller Website-Betreiber die Google-Webmastertools nutzen? Und gibt es Zahlen über ähnliche Fällen, bei denen Scheinargumente zur Unterdrückung von Suchergebnissen genutzt werden? Das sollte man mal erforschen.