Was wurde eigentlich aus Zurker?

Ihr erinnert euch: Das Netzwerk, wo die Mitglieder „Mit-Inhaber“ sind. Ich habe mich da schon lange nicht mehr eingeloggt, um genau zu sein 285 Tage lang nicht. Damals schrieb ich, dass mir das Design nicht gefällt und Zurker Google Analytics nutzt, was nicht der Burner ist.

Eigene Währung

In den letzten Monaten kamen immer mal wieder E-Mails. Irgendwann Anfang des Jahres haben sie eine eigene Währung eingeführt, „Zen“, die besser sein soll als Bitcoin. Ja, klar, noch eine virtuelle Währung. Weil sich das bei Facebook ja auch so gut durchgesetzt hat. Mein Interesse wurde dadurch jedenfalls nicht geweckt.

Mach mit oder du bist weg

Und jetzt bekam ich eine E-Mail, in der es heißt:
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Mein Eindruck von Zurker (inkl. Invite)

Das soziale Netzwerk Zurker geht gerade durch das Netz und wird als „das Anti-Facebook“ bezeichnet. Ich habe mir Zurker mal angesehen, hier ist mein Profil.

Erstmal ein paar Worte zu Zurker selbst: Zurker hat ein wie ich finde spannendes Modell, nämlich, dass jedes Mitglied Anteilseigner von Zurker ist [UPDATE: die Option hat, Anteilseigner zu werden]. Wer Freunde empfiehlt, kann diese Anteile Option erhöhen. Das finde ich insofern interessant, weil es die Entwicklung des Netzwerkes durchaus beeinflussen wird, wenn das Netzwerk den Mitgliedern gehört.

Wenn Zurker mal public geht wird es auch spannend, wie das Netzwerk mit der Weiterentwicklung umgeht. Wer bestimmt, welche neuen Funktionen es geben soll? Wer bestimmt einen Design-Relaunch? Alle Mitglieder? Oder wie bei der GEMA nur diejenigen, die besonders viele Anteile haben? Das dürfte wirklich noch interessant sein.

Praxis

Aber kommen wir zur Praxis. Anmelden geht über diesen Invite-Link, und bei der Anmeldung gibt es auch schon die erste Kritik. Neben der üblichen Bestätigung der AGB gibt es dann nämlich diesen Hinweis:

Auf der einen Seite ist eine solche Beschränkung, dass man nur einen Account registrieren darf, sinnvoll wegen den Anteilen an Zurker. Auf der anderen Seite ist genau diese „du darfst nur einen Account haben“-Regel eine der vielen Kritikpunkte an sozialen Netzwerken (ja, auch Facebook und Google+ haben diese Regel glaube ich).

Zum Schluss der Registrierung (bevor man einen Bestätigungslink per E-Mail bekommt) wird man zudem gezwungen, ein Foto hochzuladen:

Das fordert nichtmal Facebook bei der Registrierung. Hat man die E-Mailadresse bestätigt, wird man zudem aufgefordert, Interessen in Form von Schlagworten anzugeben. Immerhin, dies kann man einfach leer lassen.

Nächster Kritikpunkt: Das Design. Die Farben mögen ja noch okay sein, aber der Rest sieht aus wie eine Alpha-Alpha-Version. Scheinbar hat Zurker ein billiges (kostenloses?) Icon-Set geplündert, was eigentlich zu klein ist und wodurch viel Leerraum entsteht. Bei Google+ waren die Icons wenigstens größer.

Was die Einstellungen angeht, gibt es einige tolle Sachen: Zum Beispiel kann man bei seinen E-Mailbenachrichtigungen festlegen, welche man bekommen möchte, wie (gesammelt oder instant) und wann (man kann beliebig viele Tage und beliebig viele Uhrzeiten, jeweils zur vollen Stunde, auswählen).

Was aber aus Datenschutz-Sicht extrem negativ ist: Zurker verwendet Google Analytics. Und das nicht nur auf einigen Seiten, sondern auf allen Seiten. Hier zum Beispiel bei den Einstellungen:

Spätestens hier kann man nicht mehr behaupten, dass Zurker besser sei als Facebook. Facebook hat intern zwar auch Statistik-Tools laufen (man denke an „Insights“), aber wenn man besser sein will als Facebook, sollte man gar keine Statistiken laufen lassen – und schon gar nicht extern über Google Analytics.

Das „connecten“ funktioniert zwar einfach, doch das Finden nicht: Das geht hauptsächlich nämlich über die Schlagworte, die man im eigenen Profil anklickt und dann auf einer Liste landet, auf der alle Profile aufgelistet sind, die auch dieses Schlagwort im Profil stehen haben. Lob an der Stelle, dass es statt Freunde tatsächlich Kontakte heißt.

Hinter Zurker stehen angeblich nur zwei Leute: Jessica D., die nichtmal ihren Nachnamen verraten will. Und Nick Oba, der scheinbar schon einge Projekte an die Wand gefahren hat. Außerdem wird im Internet verbreitet, die Winklevoss-Zwillinge hätten mit Zurker zu tun – eine seriöse Quelle habe ich dazu aber nicht gefunden.

Fazit

Bislang nur „just another network“. Die AGB sind von Dezember 2011, in den USA scheint es Zurker auch schon länger mit Invite zu geben. Dass seitdem nicht an diesem schrecklichen Design rumgebastelt wurde, überrascht mich. Und, ganz ehrlich: Ein soziales Netzwerk, dass auf allen Seiten Google Analytics einsetzt, kann ich nicht als „Anti-Facebook“ bezeichnen.

Wer sich trotzdem anmelden will: Hier lang.

Ob ich Zurker nutzen werde? Hm, ich glaube nicht. Vermutlich werde ich in den nächsten Tagen nochmal ein bisschen damit rumspielen, aber mir gefällt das Ding irgendwie nicht. Design und Google Analytics sind echt extrem große Negativpunkte.

(via)